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Open Innovation in the Public Sector

Universität Hamburg | Public Management
Peter Pribilla Stiftung
           
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Tag Cloud Open Government Neue Ansätze des Innovationsmanagements belegen, dass der Innovationsprozess von Produkten und (Dienst-)Leistungen nicht mehr geschlossen und zwingend innerhalb der unternehmerischen Grenzen stattfinden muss. Das Innovationspotenzial von Firmen hängt im zunehmenden Maße von externem Wissen ab und somit von Umfang und Intensität der Interaktionsbeziehung mit externen Beitragenden. Die systematische Integration bspw. von Kunden und Nutzern in den Entwicklungsprozess trägt entscheidend zur effizienten Gestaltung von Produkten bei, da so zielgenau Kundenbedürfnisse identifiziert und umgesetzt werden können. Begriffe wie Co-Creation, Mass Customization, Interaktive Wertschöpfung oder Open Innovation stehen dabei in Wissenschaft, wie auch in der Praxis für den zunehmenden Erfolg neuer (vor allem internetbasierter) Praktiken und stellvertretend für die Erkenntnis, dass die breite Öffentlichkeit eine Quelle für gesteigerte Innovationskraft und damit für gesteigerten Unternehmenswert darstellen kann.

Doch was bedeutet dies für den öffentlichen Sektor? Wesentlicher Gegenstand der sog. New Public Management Reformen der vergangenen 20 Jahre, war es den Bürger als Kunden öffentlicher Leistungen zu begreifen und die Organisationsabläufe an Kundenerwartungen auszurichten. Verwaltungen öffentlicher Gebietskörperschaften wandeln sich dabei von bürokratischen Organisationen hin zu Dienstleistungsanbietern mit Fokus auf Transparenz, Verantwortlichkeit, Kundenorientierung und einem für den Bürger wahrnehmbaren Ergebnis öffentlicher Aufgabenwahrnehmung. Der Bürger wird dabei als Auftraggeber und Steuerzahler, aber auch als Kunde bzw. Nutzer öffentlicher Angebote betrachtet. Flankierend dazu stellten die eGovernment Reformen der vergangenen Jahre die Digitalisierung der Verwaltungsabläufe hinsichtlich Qualität und Zeit und Effizienz in den Vordergrund, mit völlig neuen Chancen bzgl. der Gestaltung neuer Organisationsstrukturen und Ablaufprozessen, aber auch für die Kommunikation mit Dritten im Außenverhältnis. In Konsequenz stellt sich die Frage, ob nicht auch hier systematisch das Wissen und die Erfahrungen von Kunden, Nutzern und externen Akteuren in den öffentlichen Innovations- und Wertschöpfungsprozess mit einbezogen werden kann. Können Bürger als Beitragende für öffentliche Aufgaben agieren, die traditionell von einem in der Verwaltung angestellten Mitarbeiter (in der Regel einem Beamten) ausgeführt werden (Citizensourcing)? Besteht nach der Reformphase der Kundenorientierung nun ein Bedarf nach vermehrter Kunden-/Bürgerintegration, gar nach gemeinschaftliche Wertschöpfung zwischen "Stakeholdern" und öffentlichen Verwaltungen, die sogar den politischen Entscheidungsprozess positiv beeinflussen kann?

Der Druck für den öffentlichen Sektor darüber nachzudenken ist immens. Neben der technologischen Revolution des ubiquitären Internets, bedeutet dies nun mehr als das bloße Erreichen von Webseiten. Im Sinne von Web 2.0 entstehen aktive Plattformen mit proaktiven Nutzern, denen sich auch öffentliche (politische) Meinungsbildungsprozesse nicht verschließen können. Als soziale Revolution verändern sich die Wege der Zusammenarbeit. Arbeitsteilung erfährt im virtuellen Raum eine neue Bedeutung und Online-Kollaborationen wie Wikipedia adressieren die Teilnehme von Millionen von Nutzern. Im Sinne einer ökonomische Revolution ("Wikinomics") verblassen die organisationalen Grenzen von Unternehmen. Kunden fühlen sich einbezogen und ernst genommen und neue Geschäftsmodelle basieren auf einer zunehmenden Netzkultur und Open Innovation Strategien. Letztlich vollzieht sich im Rahmen einer demographischen Revolution ein völlig neues Nutzungsverhalten bei den heute 13 bis 30 jährigen, die als Digital Natives eine Welt ohne Onlineanbindung nicht kennen und ein verändertes Konsumverhalten digitaler Kanäle aufweisen. Es vollzieht sich auch hier ein Abänderung im Anspruchsdenken digitaler Erreichbarkeit und ein Wandeln von passiven Lesern und Betrachtern, hin zu einem Bedürfnis und Selbstverständnis nach aktiver Teilhabe.

In Anbetracht dieser Veränderung- und Reformtreiber stellt sich unwillkürlich die Frage, wie all jene Behörden und Ämter in den Städten und Gemeinden, die Verwaltungen der verschiedenen Gebietskörperschaften, schlichtweg das gesamte politisch-administrative System mit diese dieser Entwicklung umgehen. In jüngster Literatur wird dieses Thema auch unter Citizensourcing oder "Government 2.0" diskutiert, als neue Wege interaktiver öffentlicher Wertschöpfung und Bürger-Kooperation durch die systematische Integration externer Akteure in den Prozess des Regierens und Verwaltens. Es war Barack Obama der in seiner ersten Ansprache nach seiner Präsidentschaftswahl an seine Administration das Leitbild des Open Government proklamierte ("A clear commitment changing the way government works with its citizens: Government should be transparent, participatory and collaborative").

Auf Citizensourcing.de wollen wir einen Überblick geben, wie dies konkret geschehen kann, wollen Plattformen und Best-Practices aufzeigen und zu neuen Wegen inspirieren, ein auf Effizienz und Legitimität bedachtes Gemeinwesen in der Internet- und Wissensgesellschaft zu gestalten.

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